Wege zur Selbsthilfe – ein gemeinnütziger Verein
Jahr 2015
Am 11.03.2015 wurde der Verein in Bad Rappenau gegründet. Vorstand, Schriftführer und Kassenführer mussten gewählt werden. Es waren und sind immer noch nur wenige Mitglieder im Verein, dennoch kamen immer mal wieder welche dazu, aber auch Abmeldungen gab es. Wir einigten uns auf die Jahresbeiträge der Mitglieder und auf den Inhalt der Vereinssatzung.
Nach der Vereinsgründung kam die bürokratische Ebene:
Vereinssatzung beim Finanzamt bzw. Registergericht vorlegen, vom Finanzamt wurde die Gemeinnützigkeit erteilt.
Beim Notariat die „Neuanmeldung“ des Vereins.
Ein Vereinskonto einrichten und möglichst kostenfrei, bei der Sparkasse.
Flyer zusammenstellen, mit den wichtigsten Informationen zum Verein und drucken.
Und … und …
Peter Böhler, unser Vorstand kniete sich rein in die Arbeit und nicht nur am Anfang, sondern all die Jahre hindurch. Vielen Dank dafür!
In Bad Rappenau wohnten zu der Zeit zwei Flüchtlinge in unserem Haus.
Ein junger Mann aus Kamerun und ein Mann aus Nigeria, dessen Familie in Nigeria zurückblieb.
Und so waren die ersten „Projekte“ schon angelaufen, bevor der Verein offiziell gegründet worden war.
Der junge Mann aus Kamerun hatte keinen Aufenthaltstitel, aber zu Peter einen guten Kontakt und Vertrauen. Nachdem er seine Fluchtgeschichte ihm anvertraut hatte und Peter mit ihm zusammen eine Perspektive für seine Zukunft erarbeitet hatte, sollte die Umsetzung in die Praxis erfolgen.
Dies gestaltet sich schwierig, da er keine Arbeitserlaubnis hatte. Er war interessiert daran ein Praktikum im Gemüseanbau zu machen, doch er bekam auch keine Erlaubnis für ein Praktikum, welches schon in Aussicht stand. So suchte sich der junge Mann seinen eigenen Weg …
Bei dem Mann aus Nigeria war die Ausgangssituation eine andere. Er war nach Deutschland zur medizinischen Versorgung eingeladen worden, aber seine Familie musste er zurücklassen. Seine Familie stand nun alleine da und die Frau hatte kein Einkommen für Miete und Schulgeld für die Kinder.
„Wege zur Selbsthilfe“, unsere Idee, wie Menschen geholfen werden könnte, kam nicht erst zur Vereinsgründung zustande, sondern war auch in diesem Fall gefragt. In den vielen Gesprächen zeigte sich eine Perspektive auf: Eine Fotovoltaik – Ladestation für Mobiltelefone könnte der Anfang sein für seine Frau in Nigeria.
So hatten wir schon das erste Projekt am Laufen, als der Verein gegründet wurde.
Ein anderer junger Mann aus der Elfenbeinküste, aus unserem Bekanntenkreis zeigte Interesse an der Idee: Wege zur Selbsthilfe. Und so stellte er im Jahr 2015 einen Aufnahmeantrag in den Verein.
Übrigens war und ist für Schüler und Studenten der Beitrag frei.
Mit einem Infostand in Heilbronn wollten wir uns bekannt machen und uns mit den Passanten zum Flüchtlingsthema auseinandersetzen. Die Meinung der meisten Passanten im Vorbeigehen: “Die sollen zu Hause bleiben!“ Manche, die näher kamen und zum Gespräch bereit waren, zeigten sich überrascht, dass wir derselben Meinung waren wie sie. Und so verstanden sie, worin unser Ziel besteht. „Wege zur Selbsthilfe für diese Menschen in ihrer Heimat“, sodass es erst gar nicht zur Flucht kommen muss.
Jahr 2016
In diesem Jahr war der Mann aus Nigeria mit dabei auf dem Infostand in Heilbronn und konnte seine Situation selbst vorstellen. Er war kurz zuvor in Nigeria bei seiner Familie gewesen, um das Projekt „Fotovoltaik-Ladestation für Mobiltelefone“ in die Tat umzusetzen. Hier muss erwähnt werden, dass er kurz vor Weihnachten 2015 zu uns kam mit einem Schreiben von der Agentur für Arbeit in Heilbronn. In diesem Schreiben waren keine Unterstützung mehr für ihn im Januar 2016 eingetragen. Überall die Zahl 0. Damit konnte er nichts anfangen und so kam er zu uns. Nach langem Hin und Her und einem Termin im Amt erfuhren wir den Hintergrund. Sein Pass lief im Dezember 2015 ab und so hätte er im Januar 2016 keinen gültigen Pass mehr gehabt. Im Schnellverfahren besorgte er sich die Verlängerung des Passes in Berlin.
Des Weiteren hätte er seine Familie nach Deutschland holen können, wenn er verstanden hätte, was in einem damaligen Schreiben vom Landratsamt ihm angeboten wurde.
Die Website war in Vorbereitung und brauchte viel Wissen, Können und Geduld seitens unseres Vorstands, um das Ganze auf eine rechtlich sichere Basis für alle, die sie nutzen zu stellen.
Unser junger Freund aus der Elfenbeinküste wollte sich für Projekte in seinem Heimatland einsetzen, vor allem waren ihm zwei seiner Schulfreunde wichtig. Sie sollten Unterstützung von unserem Verein erfahren. Auf diesem Weg kamen wir in Kontakt mit einem Studenten der Literaturwissenschaft, welcher damals ein Jahr vor seinem Abschluss stand.
Im Frühjahr besuchten wir die Tagung beim Verein „EG-Solar e. V. in Altötting“ und bekamen einen Einblick in deren Projekte mit Solarkocher und ihre Erfahrungen damit. Einen Solarkocher nahmen wir mit und machten die ersten praktischen Erfahrungen in Bad Rappenau auf unserem Balkon und der Wiese vor dem Haus (Südseite).
Ende des Jahres wurde klar, dass das Projekt in Nigeria gescheitert war. Die Frau war überfordert damit und ihr Mann konnte ihr nicht genügend Geld schicken, um sie zu unterstützen. Er entschied sich für eine Anstellung auf einem Schrottplatz in der Nähe von Eppingen. Wir konnten ihm nur noch Unterstützung anbieten, indem wir seinen Arbeitsvertrag mit ihm durchsahen und ihm erklärten. Die Auslagen für die Fotovoltaikanlage zahlte er, gemäß dem Vertrag, welcher er mit uns getätigt hatte in Raten ab.
Im November und Dezember waren wir mit dem Verkauf von Maroni in Heilbronn und in Bonfeld unterwegs. In Bonfeld besuchten wir die Flüchtlinge aus Syrien, die dort untergebracht waren. Ein ehemaliges Firmengebäude war vom Landratsamt angemietet worden für die Familien aus Syrien. Vor allem die Kinder freuten sich über unseren Besuch und brachten eifrig die heißen Maroni ins Haus zu ihren Eltern. Manche Väter und Mütter kamen heraus und ins Gespräch mit uns. Andere junge Leute kamen von der Schule nach Hause und beteiligten sich am Gespräch. Ihr Hauptanliegen war in Deutschland erfolgreich eine Existenz aufzubauen und hierzubleiben.
Jahr 2017
Es ging weiter damit, dass wir uns bekannt machten. Im Frühjahr wieder mit einem Infostand in Heilbronn und weiter im Sommer und Herbst mit Flohmarktaktionen verbunden mit Informationen zu unserem Verein.
In der Zwischenzeit hatten wir zu dem jungen Studenten der Literaturwissenschaft in der Elfenbeinküste einen engeren Kontakt bekommen und ihn finanziell unterstützt. Er schloss sein Studium erfolgreich ab und hatte ein Theaterstück selbst verfasst und „auf die Bühne gebracht“.
Leider war sein Freund in Deutschland wieder aus unserem Verein ausgetreten und hatte den Kontakt zu uns abgebrochen. So war es uns nicht möglich mit dem anderen jungen Mann, welchen er uns vermitteln wollte einen Kontakt aufzubauen.
Jahr 2018
Wir sind „online“, hurra! Seit dem 6.01.2018 sind wir mit unserer Website online. Welch ein Fortschritt!
Isaac, der Student in der Elfenbeinküste hatte klare Vorstellungen, wie es weitergehen sollte nach seinem Studium. Er hatte im Sinn ein „Cyber-Café“ aufzubauen. Jetzt waren die Hilfe und die Anleitung von Peter gefragt. Mit zahllosen e-Mail-Kontakten ging es Schritt für Schritt auf das Ziel zu:
-einen Raum finden und anmieten
-diesen einrichten und ausstatten mit PCs
-einen Stromanschluss beantragen mit Zählerkasten
-einen Internetanschluss aushandeln
-Arbeitsverträge aufsetzen für die Mitarbeiter
… usw. …
Zur Einweihung des Cyber-Cafés flog Peter nach Daloa und gab noch den einen oder anderen Rat. In seinem Gepäck waren ein zerlegter Solarkocher und Moskitonetze für die Familie von Isaac und seine Freunde. Ende des Jahres lief das Geschäft schon sehr gut an, aber es wurde noch Unterstützung von unserem Verein gebraucht, finanzieller Art und von Peter speziell in der Sache Kalkulation, Abrechnung, Haushaltsplan für das nächste Jahr usw.
Von dem Verein EG-Solar e.V. in Altötting kam ein Schreiben mit der Bitte sie zu unterstützen. Sie wollten den Flüchtlingen in Uganda mit einer Aktion Solarkocher zukommen lassen. Wir beteiligten uns und „spendeten“ einen Solarkocher über unseren Verein.
In Rappenau richteten wir regelmäßige Bürgertreffen ein mit unterschiedlichen Themen und machten unseren Verein bekannt.
Es gab einen Workshop für die Schüler der Förderschule in Bad Rappenau zum Thema: alternative Energie und Solarkocher.
Jahr 2019
Isaac gründet einen Verein „Wege zur Selbsthilfe“ in Daloa, Elfenbeinküste. Die Registrierung braucht seine Zeit!
Vortrag über Peters 1. Reise nach Daloa im Jahr 2018.
Vom 28.06. bis 15.07.2019 waren Peter und ich gemeinsam in Daloa. Im Gepäck hatten wir u.a.:
-Moskitonetze
-einen Wasserfilter
-einen Holzsparkocher
-eine Tiefbrunnenpumpe
-Bücher
Der Wasserfilter wurde eingerichtet und angeschlossen.
Die Frauen erhielten eine kleine Einführung in die mitgebrachte Homöopathische Hausapotheke und machten die ersten Erfahrungen mit der Reflexzonentherapie.
Die Gründungsfeier des Vereins in Daloa wurde groß gefeiert. Mit einer Wasserprobe im Gepäck flogen wir zurück nach Deutschland. Dieser Rückflug war ein Abenteuer für sich!
Zurück in Deutschland unterrichtete ich die Frauen per Mail in den Grundkenntnissen der Reflexzonentherapie. Dies gestaltete sich als sehr schwierig, da beide erst mal eine Ausbildung für das Schreiben von Mails brauchten. Isaac übernahm diese Aufgabe.
Peter stellte parallel dazu Förderanträge für die nächsten Projekte in Daloa. Bei den Schmitz Stiftungen, der Deutschen Botschaft in Abidjan u.a. für den Bau eines Gesundheitshauses, Werkstätten und zum Gartenbauprojekt mit Anbau von ökologischem Gemüse. Diese mussten alle zusammen mit Isaac getätigt werden. Das Ausfüllen der Antragsformulare mit den Zielen war eine große Herausforderung für ihn und uns.
Jahr 2020 und 2021
Die Förderanträge waren nicht erfolgreich, bis auf einen, welcher die Zusendung eines Wasserfilters für eine Grundschule bewilligte. Dieser wurde im November 2019 nach Daloa geschickt. Im Februar 2020 unternahm Peter seine 3. Reise in die Elfenbeinküste, um sich mit Isaac in Abidjan zu treffen. Zu regeln waren drei wichtige Dinge:
- Der Wasserfilter war beim Zoll in Abidjan „hängengeblieben“.
- Von der deutschen Botschaft in Abidjan war keine Nachricht gekommen, wegen des Förderantrags.
- Der Übertrag des Cyber-Cafés an den Verein in Daloa, dessen Vorsitzender Isaac war.
Den Wasserfilter gab der Zoll nicht raus, er müsste erst noch „geprüft“ werden. Von der deutschen Botschaft kam keine Zusage für eine Förderung und der Übertrag des Cybers war eine Riesenüberraschung und Freude seitens Isaac.
In diesem Jahr wurden noch 2 weitere Projekte in Daloa unterstützt. Das eine war die Fertigstellung des Wohnhauses und der Bau einer Zisterne.
Beides war nicht einfach für Isaac, da er keine Unterstützung seitens seiner Familie, noch von den Vereinsmitgliedern in Daloa hatte. Dies äußerte sich folgendermaßen:
Der Bau der Zisterne verzögerte sich bis ins Jahr 2021 und die Kommunikation mit uns wurde immer weniger. Keine Informationen, keine Unterstützung dies war eine notwendige Reaktion unsererseits.
In diesem Jahr war nochmals ein Artemisiaprojekt angesagt, aber es kam nicht zustande. Das Cyber-Café war vorübergehend zu, wegen Corona Lockdown. Isaac musste für 3 Tage ins Gefängnis, weil er bei einer Brauerei angefragt hatte für eine Trinkwasseranalyse und diese Anfrage als „Betriebsspionage“ gesehen wurde.
In Kreta unterstützten wir eine Grundschule mit einer Geldspende für die Sanierung des Dachs.
Jahr 2022
Inzwischen waren die Umsatzergebnisse im Cyber-Café stabil und keine weiteren Projekte vorgesehen.
Unterstützung der Grundschule in Chora Sfakion. Eine Klimaanlage und „Bücherecke“ waren ein Anliegen der Lehrkraft.
Im Ort wurde ein Wasserfilter eingebaut mit dem Hintergrund, dass weniger Plastikflaschen weggeworfen werden und die Umwelt belasten. Erst vor kurzem hatten wir eine positive Rückmeldung von einer Frau aus Deutschland, welche in ihrem Urlaub in Chora Sfakion sich das Wasser vom Filter abfüllt und andere Gäste über dieses Angebot informiert.
Jahr 2023
In diesem Jahr unterstützten wir den Kindergarten im Ort mit Kinderbüchern und mit selbstgemachten Spielen.
Ein zweiter Wasserfilter wurde aufgestellt und wird auch von den Einheimischen angenommen. Bei der Reinigung des Wasserfilters hat Peter inzwischen Unterstützung von Andreas, unserem Vermieter erhalten. Einmal im Jahr machen wir einen Wassertest bei einem Labor in Chania.
Jahr 2024
Wir unternahmen eine Reise in die Türkei und eine nach Ägypten. Beide Reisen waren sehr interessant und wir kamen sowohl in der Türkei, als auch in Ägypten mit Menschen ins Gespräch, die großes Interesse an unserem Verein zeigten. Leider war es nicht möglich den Kontakt über E-Mail beizubehalten.
Ein junger Mann im Süden Ägyptens hätte großes Interesse daran gehabt die Kinder von der Straße zu holen und eine Art Kinderdorf aufzubauen. Das wäre ein sehr interessantes Projekt gewesen, hätte aber für uns bedeutet, dass wir für eine längere Zeit dort anwesend sind. Aber die politische Situation ist sehr angespannt, wegen dem Krieg in Sudan.
Wir sehen hier in Chora Sfakion, wie immer mehr Flüchtlinge übers Mittelmeer nach Kreta kommen und da spüren wir deutlich unsere Grenzen. Unsere Hilfe ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein und deshalb ist es so wichtig mit den Menschen hier im Gespräch zu bleiben und ihnen zu erklären, warum diese jungen Leute flüchten. Zum Beispiel auch aus dem Sudan.
Jahr 2025
Das „Büchereiprojekt“ gestaltet sich sehr schwierig. Wegen eines Raumes für die Bücherei gibt es immer wieder neue Vertröstungen: vielleicht im Sommer, vielleicht den Raum oder jenen Raum, wenn er saniert ist usw. Nach beinahe 2 Jahren des Wartens und vertröstet werden zog ich einen Schlussstrich und beschloss die Verhandlungen mit dem zuständigen Mitarbeiter im Rathaus zu beenden.
Jetzt hat sich wieder eine Tür aufgetan. Ich werde wieder darüber berichten, wenn sich was Konkretes ergeben hat.
Dafür kommen sehr erfreuliche Nachrichten aus der Elfenbeinküste. Wie unser Partner gestern bei der Jahreshauptversammlung berichtet hat, läuft ihr Cyber-Café sehr gut. Und sie haben eine Filiale eröffnet. Sie mussten ihr Angebot der Nachfrage entsprechend verändern. Inzwischen drucken sie Poster für verschiedene Festlichkeiten, machen Kopien für die Schulen, gestalten Visitenkarten und bedrucken T-Shirts für Schüler oder Vereine. Sie haben ihr Angebot vergrössert und ihr Team auf vier Leute erweitert.
Heute kamen, wie uns Isaac gestern versprochen hatte ein paar Fotos bei uns an. Wir geben sie hier gern, mit seinem Einverständnis weiter.





































Ein schönes Geburtstagsgeschenk für unseren Verein und für den Einsatz von uns!
Isaac bedankte sich für die Unterstützung, die er durch uns erfahren und für all das, was er von Peter lernen durfte.
Dank an Alle für 10 Jahre Zusammenarbeit.


Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.